Roadtrip Irland - Überfahrt Eurotunnel und Fähre

Irland mit Hund - Überfahrt Eurotunnel und Fähre

Hohe Wellen und laute Maschinenräume: Wie wir Hugo nach Irland kutschierten, dabei quer durch Groß Britanien fuhren und zwei Mal übers Meer gelangten. Ein Erfahrungsbericht über Eurotunnel und Fährfahrt von Holyhead nach Dublin.

Die Vorfreude war groß und die Vorbereitungen allumfassend, für unsere Hochzeit in Irland wollten wir unseren Weltherrschaftswatz unbedingt mit dabei haben und buchten frühzeitig die 19 stündige direkte Fährüberfahrt von Cherbourg (frankreich) nach Rosslare (Irland). Doch dann kam Sturmtief Brian und es musste umdisponiert werden. Bereits zwei Tage vor Überfahrt bekamen wir die Info, dass unsere  geplante Überfahrt nicht stattfinden wird. Macht nichts, wir fanden eine Alternative und waren hinterher sogar sehr froh darüber. Ein Abenteuer-Erfahrungsbericht über eine Fährfahrt mit Irish Ferries und Hund. Lest hier, wie es uns erging.


Überraschung Eurotunnel

Ehrlicherweise muss ich gestehen: Mehr Angst als vor der Fahrt mit der Fähre, hatte ich vor der Fahrt durch den Eurotunnel. Der Gedanke unter dem Meer durch zu fahren war seltsam, doch meine Angst war unbegründet. Nach vielen Stunden Fahrt schlugen wir überpünktlich auf französischer Seite (in Calais) auf und mussten Hugo bei der Pet Reception anmelden. Ich hatte viel gelesen und es war genau so, wie erwartet: Sein Mikrochip wurde von mir gescannt, die Unterlagen (EU Haustierausweis und Ticket) wurden von der netten Dame am Schalter abgeglichen. Innerhalb von fünf Minuten (bei uns ohne Wartezeit) war der bürokratische Teil erledigt. Wow! Damit hatten wir nicht gerechnet. Zu aller Begeisterung durften wir (ohne Mehrkosten) sogar eine Verbindung früher wahrnehmen. Der Weg zum Zug war gut ausgeschildert und entspannt. Hugo war, wie immer, auf der Rücksitzbank am Schlafen. Wir wurden durch Personal eingewiesen und mussten soweit nach vorne fahren wie es eben ging. Hier stehen dann Auto hinter Auto. Der Motor wird natürlich ausgemacht. Alle Insassen bleiben während der Überfahrt möglichst sitzen. Als es losging holperte es etwas, aber gruselig wurde es uns nie. Für Euren Hund gibt es auf beiden Seiten der Station umzäunte und sichere Auslaufbereiche für ein "vor der Zugfahrt Gassi". 

Während der 35 minütigen Überfahrt hast Du vollen Mobilfunkempfang. Buche den Eurotunnel online und so früh wie möglich. Selbst Nachtfahrten um 1.30 Uhr können plötzlich preislich in seltsame Höhen rutschen (189£ statt 69£) wenn die Fahrt davor auf magische Weise ausgebucht ist.

Schwieriger wurde es dann mit der Fähre. Durch das Sturmtief mussten wir von der 19 stündigen Überfahrt auf die kurze Fährstrecke Holyhead <> Dublin wechseln. Die Überfahrt war - leider im Vergleich - nicht so bombe und ich habe mir lange überlegt wie ich es hier schreiben soll. Bitte bedenke, dass hier ist ein Erfahrungsbericht (wenn alles klappt fahren wir Ende 2019 nochmals mit der Fähre nach Irland, dann kann ich diesen Artikel aktualisieren). Was Hugo angeht bin ich selten empfindlich wenn es darum geht ihn auch mal alleine zu lassen. Er ist ein Weltherrschafts-Watz und hält einiges aus. Er muss auch im Sommer mal für fünf Minuten im Auto warten, während ich einen Brief zur Poststelle bringe oder vier bis fünf Stunden alleine zuhause sein, wenn ich schwimmen bin oder einen Job habe. Deshalb dachte ich, es wird auch mit der Fährfahrt kein Problem geben.

Wer sich mit den Hunden niederlegt, wird mit den Flöhen aufstehen..“

Irischer Spruch

Bei Fährverbindungen mit Irish Ferries nach und von Irland können die Hunde während der Überfahrt entweder in einem Kennel, oder im Auto verweilen. Stand Mai/2018 gibt es noch keine Kabinen in welchen Hunde erlaubt sind (shame on them!). Der Hund muss also auf jeden Fall alleine bleiben. Entweder in der gewohnten Umgebung (im Auto), oder in einer ungewohnten (dem Kennel). Je nach Größe der Fähre steht der Kennel auf (dem zum Meer hin offenen) Autodeck oder durch einen Zugang geschützten Nebenbereich. Es gibt keine einheitlich geregelten Besuchsrechte und Du bist ein wenig auf das Gutdünken der Crew angewiesen.

Mit der Fähre nach Irland - Erfahrungen mit Hund

Gleich zu Beginn der Fahrt und durch einen unglücklichen Umstand (!) wurde ich auf dem Auto Deck ausgesperrt. Die Türen wurden kurz nach Ablegen im Hafen aus Sicherheitsgründen verriegelt. Normalerweise sind zu diesem Zeitpunkt alle Passagiere schon im Inneren des Schiffes. Ein Verbleiben im Auto ist streng verboten (und vermutlich auch gefährlich, da das Auto Deck zur See hin offen ist). Das wusste ich nicht und ich hatte auch nicht mitbekommen wie ablegt wurde. Das Schiff begann also auf offener See zu schaukeln und zu brummen. Durch die Bewegung wurden sämtliche Alarmanlagen umstehender Fahrzeuge ausgelöst. Inklusive der vom eigenen Auto. Ein riesiges Chaos. Da ich nicht mehr ins Innere konnte (die Türen waren verriegelt), blieb ich im Auto sitzen versuchte natürlich den panischen Watz zu beruhigen. Dieser kannte die vielen Alarmanlagengeräusche und auch die Schiffsgeräusche natürlich nicht und hatte Angst.

Irische Fähre mit Hund - Hundekennels Glücklicherweise wurde ich recht bald von einem Crewmitglied entdeckt und eindringlich gebeten das Auto Deck zu verlassen - bitte ohne Hund (was nicht in Frage kam). Ich war skeptisch ob mich denn jemals wieder jemand aufs Autodeck lassen würde, wenn ich das wollte. Und so begann das große Drama - Details meiner peinlichen Flucht mit Hund unter der Jacke (Hugo wiegt 9kg und ich hatte nur ein Cardigan an) erspare ich Dir. Wäre da dieser furchtbare Gast nicht gewesen ("Doooogs are not allowed in here!") hätte die Crew mich nie erwischt! Nachdem ich also mit bösen Blicken gerügt wurde sollte der Hund zumindest in den Kennel verschwinden. Es gab keine Ausnahme. Freundlicherweise wurde uns aber ein schöner Sessel neben den Kennel gestellt. Kurz hatte ich den Watz eingesperrt aber er hatte solch eine Panik, dass ich ihn wieder rausholte und bei mir behielt.

Die Boxen dort waren direkt neben dem Auto Deck, unbeheizt und natürlich auch nicht Geräuscharm. Die Türen waren aus Gitter also mit längst und quer Streben. Ein kleiner Bichon Frisé bellte und jammerte ununterbrochen (schon als ich ankam). Er hatte sich durch panisches kratzen an den Gittertüren die Pfoten blutig gekämpft, ein dickes Vorhängeschloss war am Gitter angebracht. Ein Schild neben dem Kennel erklärte, dass dieses Schloss zur Sicherheit aller empfohlen sei. Auch Hugos Nachbar (ein Pudel Mix) zeigte deutliche Stressanzeichen. Er lag auf einer großen Windel, hechelte stark und zitterte am ganzen Körper. Beide Hunde beruhigten sich etwas als wir da waren, sobald wir den Raum verließen fing der kleine wieder an zu jammern und kratzen - ist ja klar, dass man da als Tierfreund nicht einfach wegschauen kann, oder?

Wir verbrachten also fünf wunderbare Nacht-Stunden (die Fähre fuhr verspätet erst um 3 Uhr ab) am Kennel wechselten uns im Kaffee-holen ab. Im Nachhinein müssen wir immer noch lachen.... was für ein schreckliches Drama. Auf der Rückfahrt kommt der Hund ins Auto!


Für die Rückfahrt entschieden wir uns dann ganz bewusst für das kleinere und schnellere Schiff 'Swift' (zwei Stunden statt fünf), um die Zeit kürzer zu halten. Die fünf Stunden auf dem großen Schiff waren wirklich kalt und anstrengend und man lernt ja aus Fehlern. Kurz hatten wir uns über die Kennel informiert - nur um zu wissen auf was wir uns einlassen, wenn etwas schief geht. Anders als beim großen Schiff 'Ulysses' waren die Boxen hier direkt auf dem Auto Deck und deshalb hätte es selbst bei einem Drama keine Möglichkeit gegeben den Hund zu besuchen. Der Watz blieb also wirklich alleine im Auto, er hatte es überlebt aber viele Hinweise deuteten daraufhin, dass er nicht besonders entspannt dabei war. Naja.

Die Erkenntnis

Nun fahre ich wirklich ungern ohne den kleinen Watz in den Urlaub und zudem gehört Irland für mich zu einer der schönsten Urlaubsziele überhaupt. Wir haben dort schon so viel Zeit verbracht und es war bisher das Größte für mich Hugo diese Welt zeigen zu können. Dennoch: Die Überfahrt mit Hund ist nicht ohne und möchtest Du deinen Hund mitnehmen sollte das gut geplant werden. Kürzere Trips dorthin würde ich Dir nicht empfehlen. Da die Anfahrt oder Überfahrt recht lange ist, und der Stressfaktor (ohne Routine) recht hoch. Es macht nur Sinn wenn zwischendrin etwas Zeit für Ruhe bleibt.
Mindestens zehn Tage sollten es schon sein, besser noch zwei Wochen. Solltest Du die Überfahrt nach Irland wagen wollen, kommen hier noch mal generelle Tipps und Tricks:

    • Fähre nach Irland: Lass deinen Hund im Auto
      >> Achte auf die Innentemperatur im Auto. Das irische Klima ist gemäßigt und damit selten richtig kühl aber auch selten richtig warm. Dennoch: Die Sonnenstrahlen während der Wartezeit könnten das Auto unnötig aufheizen und den Aufenthalt noch unangenehmer machen.
      >> Versuche alle Sicherheitsmaßnahmen zu bedenken, wenn Dein Hund im Auto in Panik gerät (Anschnallen? Besser nicht? Gitter der Box abkleben?)
      >> Entgegen der Empfehlungen: Lass die Fenster zu und baue Deinem Hund lieber ein kleines, schützendes Nest in das er sich zurückziehen kann.
    • Fähre nach Irland: Wenn der Hund im Kennel sein muss
      >> Unbedingt Bettchen/Höhle mitnehmen und nur bei definitivem Besuchsrecht buchen (Wahrscheinlicher wenn die Boxen separat und nicht auf dem Auto Deck sind). Ansonsten lieber im Auto lassen.
    • Vorbereitungen
      >> In Flussnähe gibt es oft  Fähr- und Bootsfahrten die mit Hund erlaubt sind. Wenn Zeit vorhanden ist, mach' doch mit Deinem Hund einmal so eine Bootsfahrt mit, so könnt ihr Euch beide bereits an das Schwanken und die Geräusche gewöhnen und wisst ein bisschen mehr auf was ihr Euch einlasst.
      >> Versuche zudem selbst okay zu sein mit der Situation. Ein Fährfahrt ist nichts gefährliches. Sieht dein Hund, dass Du entspannt bist, ist es für ihn ebenfalls leichter entspannt zu sein. Sensible Hunde brauchen hier natürlich mehr Unterstützung.

QUELLEN UND WEITERFÜHRENDE INFOS:   FAQ Pets im Eurotunnel   | Erfahrungsberichte Eurotunnel bei Tripadvisor | Auflistung Fähranbieter |



Mit Hund an der Urftalsperre - Gassi über die Staumauer

Mit Hund an der Urftalsperre - Gassi über die Staumauer

Irland mit Hund - Überfahrt Eurotunnel und Fähre

Irland mit Hund - Überfahrt Eurotunnel und Fähre

Tagestrip mit Hund - Ausflugsziel Highline179 in Österreich

Tagestrip mit Hund - Ausflugsziel Highline179 in Österreich

Comments (1)

This comment was minimized by the moderator on the site

Hey, vielen Dank für deine ausführlichen Infos. Das klingt alles schwierig, aber nicht unmöglich. Vor allem dank deiner Buchungstipps!

There are no comments posted here yet

Leave your comments

  1. Posting comment as a guest. Sign up or login to your account.
Attachments (0 / 3)
Share Your Location
contentmap_module

theGASSIexperience ist ein Reiseblog und Gassistrecken-Finder für außergewöhnlich schöne Hunderunden und viele Abenteuer in ganz Europa.

  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Mitglied bei Conntrip - Deine Plattform für Reiseinspiration